ESG Reporting

18. Februar 2022, 17:28
Thomas Tscherrig
Client ReportingESG

Neuentwicklung für Asset Managers und Asset Owners

Weshalb entwickelten wir einen Beispielreport?

In einem früheren Blog-Artikel zum Thema Nachhaltigkeit haben wir Begriffe wie ESG (Environment, Social and Governance), SDG (Sustainable Development Goals), Impact Investing, etc. aufgegriffen und die Frage, ob Nachhaltigkeit den Finanzsektor fundamental verändern wird, bejaht.
Unsere Marktanalyse ergab, dass es keine guten ESG Reports gibt. Damit war klar, dass wir einen solchen entwickeln wollen.

Welche Trends berücksichtigten wir?

Die regulatorische Stossrichtung ist gegeben: Offenlegungspflichten werden die Transparenz erhöhen, und die entsprechenden Daten werden durch öffentlich zugängliche Datenbanken für alle verfügbar. Das sind gute Neuigkeiten für Investorinnen: Sie können bald viel besser abschätzen, wo die ESG Risiken lauern und wo Chancen entstehen.
Für uns hiess das, Reportelemente ohne übertriebene Rücksicht auf die aktuelle Datensituation zu entwickeln.
Auf der Hand lag auch, die SFDR und die EU Taxonomy in den Report zu integrieren. Ähnliche Regularien werden bald in die Schweiz kommen.

Inhaltliche Umsetzung und Visualisierung

Anlegerinnen gehen das Thema Nachhaltigkeit mit zwei verschiedenen Brillen an: Sie integrieren ESG aus klassischen Risikoüberlegungen in ihren Anlageprozess, oder aber sie wollen die Welt zum positiven verändern – in vielen Fällen beides aufs Mal. Die Sicht aufs Portfolio ist aber sehr unterschiedlich (siehe auch Risiko vs. Impact). Abgesehen davon ist den meisten Anlegern das Thema Klimaerwärmung besonders wichtig. Aus diesen Überlegungen ergab sich die Hauptstruktur des Reports: ESG Risk, Climate und Impact.

Der nächste Schritt bezüglich der Darstellung im Investment Report war die weitere Gliederung und die visuelle Aufbereitung dieser Themen. Dabei konnten wir auf die Expertise unseres langjährigen Partners Nerves, eine Design Agentur in Zürich, zurückgreifen. Wir entschieden uns dafür, zuerst eine allgemeine Übersicht zu gestalten. Beim Beispiel von ESG zeigt sich das in einer Gesamtbewertung des Risikos, wie auch einzeln in den Bereichen Environment (E), Social (S) und Governance (G). Eine detaillierte Aufstellung zeigt die Principle Adverse Impact (PAI) Indikatoren. Bei diesen Indikatoren geht es um die Frage, inwieweit sich die Investitionsobjekte negativ auf die Umwelt, Sozial- und Arbeitnehmerbelange oder die Menschenrechte auswirken können.

Ein weiterer Aspekt der Risikobetrachtung in unserem Report sind die kontroversen Themen, in welchen die Firmen aus dem Portfolio involviert sind. Diese Themen können kurz- oder langfristig das Risiko einer Firma negativ beeinflussen und somit zum Risiko des Portfolios beitragen. Da für die meisten Investorinnen die CO2e Emissionen aufgrund des Klimawandels einer der wichtigsten Risikoaspekte von ESG sind, haben wir uns entschieden, diese Kennzahlen und Informationen in einem eigenen Kapitel des Reports grafisch zu visualisieren.

Im Impact Teil stehen die 17 Sustainable Development Goals im Vordergrund. Hier zeigen wir, ob die Portfolio Holdings zu diesen Zielen beitragen oder nicht. Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist das Thema „EU Taxonomy“, mit den von der Europäischen Union definierten nachhaltigen Aktivitäten. Die EU-Taxonomie für nachhaltige Aktivitäten ist ein Klassifizierungssystem, das eingerichtet wurde, um zu klären, welche Investitionen im Rahmen des Europäischen Green Deal umweltverträglich sind. Proxy Voting und Engagement sind weitere Themen, welche im Report grafisch illustriert sind. Bei der Stimmrechtsvertretung (Proxy Voting) handelt es sich um die Praxis der Anleger, ihre Stimmrechte auf den jährlichen Generalversammlungen der Unternehmen aktiv auszuüben. Dabei werden entweder ESG- und/oder traditionelle Themen berücksichtigt. Engagements sind alle Interaktionen zwischen einem Investor und einem Unternehmen, in das investiert wird, oder politischen Entscheidungsträgern, die sich mit ESG-Themen oder der Unternehmensstrategie befassen. Das Ziel eines Engagements kann darin bestehen, die Leistung zu überwachen oder Einfluss auf die Praktiken eines Unternehmens in Bezug auf ESG-Themen auszuüben.

Um sicher zu sein, dass die Grafiken und Tabellen keine Spielräume für Interpretationen offenlassen, haben wir den verschiedenen Reportelementen einen Info-Text hinzugefügt. Dieser beschreibt die Details zu den jeweiligen Grafiken, Tabellen und Berechnungen.

Daten und Informationen

Damit ein Investment Report aus Sicht ESG und SDG erstellt werden kann, benötigt man entsprechende Daten. Aber wie verlässlich sind sie und wer liefert diese?

Am Anfang der Lieferkette stehen die Unternehmen selbst. Um die Konsistenz und Vergleichbarkeit der in der gesamten EU offengelegten nichtfinanziellen Informationen zu verbessern, sind die Unternehmen (mit mehr als 500 Mitarbeitenden und von öffentlichem Interesse) verpflichtet, in ihren Jahresbericht ein nichtfinanzielles Statement (Nachhaltigkeitsbericht) aufzunehmen. Dieser Bericht enthält Informationen über Umweltfragen, soziale und arbeitnehmerbezogene Fragen, die Achtung der Menschenrechte, sowie die Bekämpfung von Korruption und Bestechung. Diese Informationen werden teilweise als qualitative, wie auch als quantitative Daten rapportiert.

Einer der Hauptabnehmer dieser Nachhaltigkeitsberichte in Form von Rohdaten sind Datenlieferanten, wie z.B. Sustainalytics (Morningstar), MSCI und S&P Global. Diese Firmen haben sich mittlerweile auf ESG und SDG Research spezialisiert und normalisieren die Daten, damit Investitionen in Bezug auf Nachhaltigkeits-Kennzahlen vergleichbar sind. Ein weiterer Zulieferer der Datenlieferanten sind NGOs (Nichtregierungsorganisationen), welche zusätzliche Informationen zu Unternehmen liefern. Hierbei handelt es sich hauptsächlich um Kontroversen, in welche die Unternehmen involviert sind.

Die Unterschiede in der Art und Weise, wie Anbieter ESG-Bewertungen berechnen, können dazu führen, dass ein und dasselbe Unternehmen von einem Anbieter als gut und von einem anderen eher schlecht eingestuft wird. Anleger müssen daher sicherstellen, dass der Ansatz des Ratinganbieters, auf den sie sich verlassen, mit ihren ESG-Präferenzen übereinstimmt, da sie sonst Gefahr laufen, Portfolios zu konstruieren, die nicht mit ihren ESG-Ansichten übereinstimmen.

Gerne stehen wir Ihnen bei Fragen oder Anliegen in Bezug auf ESG Reporting zur Verfügung.

Risiko versus Impact
Bei der Risikobetrachtung geht es der Investorin darum, den möglichen finanziellen Schaden in ihrem Portfolio zu quantifizieren, den sie durch ESG Risiken eingeht. Es dreht sich hier nicht etwa um noble Nachhaltigkeitsziele, sondern um handfeste finanzielle Interessen. Die Investorin erweitert mittels ESG ihr Risikomodell, und ist dadurch ganzheitlicher unterwegs.
Beim Impact geht es dem Investor um eine tatsächliche und hoffentlich messbare Verbesserung der Welt. Finanzielle Auswirkungen auf sein Portfolio sind bei dieser Betrachtung sekundär. Anstattdessen will er z.B. wissen, ob sein Portfolio den Welthunger stillt oder zur Klimamitigation beiträgt.

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18. Februar 2022, 17:28
Thomas Tscherrig
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